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„Nils. Von Tod und Wut. Und von Mut.“ von Melanie Garanin

 

Wenn der Kleinste in der Familie stirbt, scheint nichts mehr zu helfen, außer: Schreiben, Zeichnen, Malen, Lieben und Weiterleben

 

Eine Minirezension

Eine Familie, vier Kinder, zwei Hunde, ein Kater, zwei Pferde, ne Menge Hühner und ein glückliches Leben. Das Jüngste wird krank, Leukämie. „Nils kann auch sterben?“ – „Auf keinen Fall“, sagt die Mama. „Ich verspreche dir, Nils stirbt auf keinen Fall.“

Ehrlichkeit und Herzenswärme, Trauer, Wut und Humor finden sich in jeder Zeichnung, in jedem Satz dieser Graphic-Novel und zerschneiden einer das Herz. Sie erzählt, wie die Familie die Zeit nach Nils’ Tod durchsteht, die Welt von nun an grau, nur ein klitzekleiner gelber Fleck schummelt sich in die Zeichnungen. Wie die Eltern die Klinik verklagen, weil Nils nicht hätte sterben müssen, und der Staat das Verfahren einstellt. Nun kommen auch Sarkasmus, Bitterkeit, ungezähmte Wut und Hilflosigkeit aufs Papier.

Nach Nils’ erstem „Himmelsgeburtstag“ schleicht sich verspielt-versteckt mehr Gelb in die Seiten. Mit Fantasie, Spielen, Zusammenhalt und Resilienz wächst die Familie in ihren neuen Alltag hinein. „Nicht um das Verlorene herum leben, sondern es mit Leben füllen. Das ist die der Kampf. Das ist die Kunst.“  Und Liebe, ergänzt die Autorin, die weiß, dass Tod, Trauer und Leere nicht darstellbar sind (einerseits) und die (andererseits) dennoch für all die Gefühle, Gespräche, das Aushalten von Streit und Sehnsucht berührende Bild-Text-Kompositionen erschafft. Trauernde Eltern und Kinder und alle, die sie begleiten, werden sich in Melanie Garanins Kunst-Trauer-Kosmos wiederfinden und dankbar sein.

Zum Schluss landet die Familie nach krassem Ritterkampf in einer sehr, sehr gelben Allee. „Und? Alles gut, Mama? Schon besser, Nils, ein bisschen besser. Gut, dass du da warst. Immer da bist. Und jetzt flieg.“

„Nils. von Tod und Wut. Und von Mut“ von Melanie Garanin
Carlsen Verlag Hamburg 2020, ISBN 978-3-551-76049-9